Hallo Alex

Seit Anfang 2024 setze ich mich im Rahmen meines Masterstudiums der Fotografie an der Folkwang UdK in Essen mit Drogenkonsumräumen in NRW auseinander. Parallel dazu entsteht ein Buchprojekt, das sich sehr persönlich mit meinem eigenen Umgang mit Sucht beschäftigt. Mein Interesse an der Thematik ist sowohl individuell als auch gesellschaftlich begründet. Seit über zehn Jahren lebe ich mit einer Suchterkrankung, die mich immer wieder mit den politischen und strukturellen Rahmenbedingungen konfrontiert, die Sucht mitbestimmen. Das Thema ist nach wie vor von Stigmatisierung geprägt und findet in den Medien häufig eine verzerrte Darstellung. Beide Projekte hinterfragen diese Klischees und richten den Blick auf die komplexen Realitäten dahinter. Während das Masterprojekt konzeptionell angelegt ist, verfolgt das Buch einen subjektiveren, intimen Zugang.

Die fotografische Arbeit entstand während eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Entzugsklinik, einem Ort zwischen Rückzugsraum und Konfrontation. Ich dokumentierte diese Zeit tagebuchartig, indem ich die Zimmer, in denen ich allein oder im Austausch mit anderen war, und die Therapiebereiche festhielt, in denen oft weniger die schulmedizinische Behandlung als der Dialog im Mittelpunkt stand. Anfangs durfte ich das Gelände nicht verlassen, später waren Ausgänge unter vermeintlich strengen Auflagen möglich, mit Anmeldung, Probenabgaben und der ständigen Ungewissheit, ob die Kontrollen greifen würden. Ich blieb rückfallfrei, erlebte jedoch Rückfälle anderer, die nicht immer erkannt oder begleitet wurden. Die Einrichtung war überlastet. Therapien fielen regelmäßig aus, das Personal war knapp, und der Alltag war von Leerlauf geprägt. Diese strukturelle Überforderung traf auf Menschen, die in einer Phase großer Verletzlichkeit Stabilität suchten, was für viele, besonders bei begleitenden Depressionen, eine zusätzliche Belastung bedeutete.

Die Fotografien spiegeln die Routinen und dichten Momente des Klinikalltags wider, darunter Gespräche, Rückzug, das Nebeneinander von Hoffnung, Stillstand und Erschöpfung, und sie zeigen den Versuch, unter schwierigen Bedingungen neu zu beginnen. Sie bewegen sich zwischen dokumentarischer Beobachtung und persönlicher Wahrnehmung. Für mich wurde das Fotografieren selbst zu einem Mittel der Auseinandersetzung, ein Weg, das Erlebte zu ordnen. Die Arbeit lädt ein, sich der Komplexität von Sucht und Genesung zu nähern, ohne einfache Antworten, ohne Urteil, ohne Beschönigung.

Ausschnitt aus der Serie “Hallo Alex”
Work in Progress, seit 2025
Fotobuch, 195 x 260 mm