Gelb ist Geschichte!
2.150 Drogentote im Jahr 2025 in Deutschland, ein weiterhin alarmierend hoher Wert, der verdeutlicht, wie relevant die Auseinandersetzung mit diesem Thema bleibt, selbst nach Jahrzehnten intensiver Diskussionen und Präventionsarbeit. Dabei war 2025 etwa jeder vierte Drogentote jünger als 30 Jahre.
Bereits seit einigen Jahren sind Suchterkrankungen ein zentrales Thema meiner fotografischen Arbeit. Insbesondere aufgrund persönlicher Erfahrungen in meinem direkten Umfeld ist für mich die intensive Auseinandersetzung primär mit den sogenannten substanzgebundenen Abhängigkeiten schmerzhaft, aber auch unausweichlich. Seit Anfang 2024 beschäftige ich mich mit Drogenkonsumräumen in Deutschland und konnte bisher elf solcher Einrichtungen besuchen. Der Titel „Gelb ist Geschichte!“ geht auf einen Informationsflyer zurück, der gemeinsam von einem Klienten und den Betreiber der Einrichtung Indro e.V. in Münster entwickelt wurde. Der Flyer beschäftigte sich mit Hepatitis C und Möglichkeiten, einer Infektion vorzubeugen. Das Gelb verweist dabei auf eine mögliche Gelbfärbung der Haut als Folge einer Erkrankung. Zugleich lässt sich der Titel in zwei Richtungen lesen, als Geschichte, die das Gelb erzählt, und als etwas, das der Geschichte angehören kann, wenn einer Infektion vorgebeugt wird.
Menschen, die von einer Substanzgebrauchsstörung betroffen sind, werden leider auch heute noch stark stigmatisiert. Diese Stigmatisierung führt unter anderem dazu, dass Betroffene seltener Hilfsangebote wie etwa Konsumräume annehmen und aufsuchen. Im Rahmen meiner fotografischen Auseinandersetzung stellt sich auch die Frage nach der Rolle der Fotografie, da diese nicht selten an der Verstärkung oder Entstehung von Vorurteilen beteiligt ist.
Dabei liegt ein besonderes Interesse in den fotografischen Darstellungsmöglichkeiten von Sucht. Wie kann dieses Thema mit der nötigen Sensibilität und Empathie behandelt werden? Wie können problematische Darstellungen erkannt und vermieden werden? Ist es überhaupt möglich, Sucht in der Fotografie „richtig“ zu repräsentieren?
Die Komplexität dieses Krankheitsbildes versuche ich, mittels vieler verschiedener Ebenen sichtbar zu machen. Meine bisherigen Annäherungen beinhalten Raumansichten dieser Konsumräume, Porträts von Klienten und Found-Footage-Material aus dem Internet, wie beispielsweise Google-Rezensionen oder Street-View-Ansichten. Die unterschiedlichen Materialien und Perspektiven werden je nach Präsentationsform in verschiedenen Zusammenhängen miteinander verbunden.
„Gelb ist Geschichte!“ versteht sich als ein Beitrag zur Sichtbarmachung von Sucht und suchtbezogenen Lebensrealitäten. Die Arbeit soll zur Auseinandersetzung anregen, mit dem Thema selbst, mit der Rolle von Fotografie in diesem Kontext und mit der Frage, wie sich Sichtbarkeit jenseits von Klischees und Stigmatisierung herstellen lässt.
Ausschnitt aus der Serie „Gelb ist Geschichte!“
Seit 2024, verschiedene Größen
4 × 5“ Großformat, digitale C-Prints